Gilt „Eine Person-eine Sprache“ auch, wenn sich deutsche pädagogische Fachkräfte vor den Kindern mit englischen Kolleg*innen unterhalten?

Unsere Kita ist seit mehreren Jahren bilingual. Unsere englischen Kräfte sprechen nur englisch mit den Kindern, die deutschen Kräfte deutsch. Bei uns wird diskutiert, ob das Prinzip "Eine Person – eine Sprache" auch gilt, wenn die deutschen Kollegen sich vor den Kindern mit den englischen Kollegen unterhalten. Sollen Sie dann auch ihre Muttersprache nutzen oder ist es besser, die Kollegen vor den Kindern in Englisch anzusprechen?

 

Antwort (Dr. Anja Steinlen)

Studien gibt es über das Thema nicht, aber viele Erfahrungsberichte, und Ihre Frage taucht gerade bei fortgeschrittenen Kitas immer wieder auf.
Der fmks plädiert sehr für das Konzept "eine Person - eine Sprache", das sich im institutionellen Rahmen besonders gut bewährt hat. Dies ist insbesondere wichtig, als dass die "native speakers" die einzigen Personen sind, von denen die Kinder den englischen Input überhaupt erhalten. Deshalb sehen wir es extrem ungern, wenn eine englischsprachige Kraft ins Deutsche wechselt, da dies die Menge des englischsprachigen Input deutlich verringert.

Anders sieht es auch, wenn deutsche Kräfte Englisch sprechen. Dies hat für die Kinder mehrere Vorteile: Sie sehen, dass sich auch die Erwachsenen um das Englische bemühen, die ja Vorbildfunktion haben. Zum anderen produzieren die Kinder zumeist nur wenig Englisch. Wenn die deutschen Kräfte Englisch sprechen, mag das die Kinder animieren, diesem Beispiel zu folgen. Außerdem schulen sie ihr Hörverstehen, da sie ja eine andere "Varietät" des Englischen hören. Ein Sprachwechsel der deutschen Kraft bietet sich vor allem dann an, wenn sie die englische Sprache gut beherrscht, denn das bietet den Kinder eine weitere Möglichkeit, sich mit der neuen Sprache auseinander zu setzen. Natürlich machen "nicht-native speakers" Fehler. Da sie jedoch mit den Kindern (und dies ist wichtig) weiterhin auf Deutsch kommunizieren, fallen für den Spracherwerbsprozess der Kinder diese nicht ins Gewicht, denn die Menge des englischen Inputs durch die deutsche Kraft ist eher gering und nicht an die Kinder gerichtet.

Übrigens: Eine Ausnahme des Konzept "eine Person - eine Sprache" besteht unserer Ansicht nach bei Liedern und Reimen, die gern von allen KollegInnen und allen Kindern in allen Sprachen begleitet werden sollten.

Zusammenfassend:
Wenn sich die deutschen Kolleg*innen vor (nicht mit) den Kindern mit den englischen Kolleg*innen unterhalten, kann dies gerne in  Deutsch oder Englisch geschehen. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen und dass Absprachen von allen Beteiligten verstanden werden.

Zuletzt aktualisiert am 04.10.2019 von H.C..

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